Neue Konzepte bestimmen die Zukunft

20.11.2002

4. Zulieferertag Automobil Baden-Württemberg am 20. November 2002

Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Dr. Walter Döring, eröffnete am 20. November 2002 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart den vierten Automobilzulieferertag Baden-Württemberg. Der Zulieferertag fand im Rahmen des Landesjubiläums "50 Jahre Baden-Württemberg" statt.

Für den Zulieferertag lautete das Motto "Automobilzulieferer - neue Konzepte bestimmen die Zukunft". Entwicklungstendenzen, Strategien und Perspektiven der Branche wurden diskutiert und beispielhafte Projekte vorgestellt. Die Veranstaltung sollte dabei in erster Linie dem Erfahrungs- und Wissensaustausch zwischen Automobilherstellern, Zulieferern und Forschungseinrichtungen dienen.

Döring: "Der Zulieferertag ist Bestandteil der von dem Wirtschaftsministerium im Jahre 1999 gestarteten Initiative zu der Unterstützung unserer Automobilzulieferindustrie. Mit dieser Initiative wollen wir insbesondere die kleinen und mittleren Zulieferunternehmen bei der Bewältigung des Strukturwandels und bei der Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit unterstützen. Zu der langfristigen Sicherung der Wirtschaftskraft Baden-Württembergs werden wir den baden-württembergischen Automobilcluster auch weiterhin unterstützen und ausbauen, so z. B. durch die Durchführung von Verbundforschung, durch Modernisierungsmaßnahmen der anwendungsorientierten Forschungsinstitute, durch Gründung eines Zentrums für Fahrzeugtechnik Stuttgart, durch den Ausbau der Verkehrsforschung oder durch die Förderung von Kooperationen."

Döring: "Baden-Württemberg hat seine wirtschaftliche Entwicklung und seinen Wohlstand vor allem auch dem Fahrzeugbau zu verdanken. Unser Land gehört inzwischen zu den wirtschaftlich und technologisch stärksten Regionen Europas. Die Automobilindustrie und ihre Zulieferer haben an dieser außergewöhnlichen Entwicklung einen ganz entscheidenden Anteil. Unser Bundesland hat sich seit der Erfindung des benzinbetriebenen Kraftfahrzeuges zu dem Automobilland Nr. 1 in Deutschland und zu einem der weltweit führenden Zentren des Automobilbaus entwickelt. Der Fahrzeugbau ist die Schlüsselindustrie und das Rückgrad der baden-württembergischen Wirtschaft."

Dabei sei die Automobilindustrie nicht nur wesentlicher Beschäftigungsträger, sondern vor allem auch Technologieschrittmacher und Motor der technologischen Leistungsfähigkeit in Baden-Württemberg. Viele Technologiebereiche wie z. B. die Mikrosystemtechnik, die Nanotechnik oder die Brennstoffzelle würden von dem Fahrzeugbau vorangetrieben und Anwendungsfelder in vielen anderen Bereichen erschließen.

Baden-Württemberg verfügt auf dem Gebiet des Fahrzeugbaus über ein weltweit einmaliges Netzwerk. Grundlage dieses Clusters bilden mit den Firmen DaimlerChrysler und Porsche in Stuttgart sowie dem Produktionswerk der Audi AG in Neckarsulm drei namhafte Automobilhersteller, über 1 000 Zulieferunternehmen und kompetente Forschungseinrichtungen. Fast ein Fünftel der 1,2 Mio. Industriebeschäftigten in Baden-Württemberg arbeiten an Produkten rund um das Auto. Berücksichtigt man alle Beschäftigten, die mit der Produktion, dem Vertrieb und der Nutzung des Automobils zusammenhängen, ist in Baden-Württemberg jeder sechste Beschäftigte direkt oder indirekt vom Fahrzeugbau abhängig. Mit einem Anteil von 20,8 % am Bruttoinlandsprodukt ist die Automobilindustrie die umsatzstärkste Branche des Landes. Jeder vierte Arbeitsplatz der rund 920 000 Beschäftigten in der deutschen Autobranche befindet sich im Südwesten.

Döring: "Im Jahr 2001 erwirtschaftete der Fahrzeugbau mit rund 234 000 direkt Beschäftigten einen Umsatz von knapp 60 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahr konnte der Umsatz um 6,3 % und die Zahl der Beschäftigten um 3,5 % gesteigert werden. Vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Lage ist dies ein erfreuliches Ergebnis. Auch in diesem Jahr stellt sich die Situation der baden-württembergischen Automobilindustrie wegen der hohen internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Ausrichtung auf qualitativ hochwertige Fahrzeugsegmente vergleichsweise günstig dar. Die Branche wird voraussichtlich - trotz eines insgesamt rückläufigen Weltmarktes - das hohe Niveau des Vorjahres erreichen oder sogar leicht übertreffen können. Damit erweisen sich die baden-württembergische Automobilindustrie und ihre Zulieferunternehmen in einem insgesamt schwierigen Umfeld wiederum als wichtiger Stabilisator und Konjunkturmotor."

Ebenso wichtig wie diese quantitativen Zahlen ist nach Ansicht des Wirtschaftsministers die Bedeutung der Automobilindustrie als Motor der wirtschaftlichen und technischen Entwicklung in Baden-Württemberg. Neben ihrer Rolle als Technologieschrittmacher trage sie auch durch Sekundäreffekte, insbesondere durch ihr enormes Investitionsvolumen, in hohem Maße zu der Sicherung der Beschäftigung in anderen Branchen des Landes bei. Ohne den Beitrag der Zulieferunternehmen wäre die in den vergangenen Jahren erreichte Position der Branche nicht denkbar gewesen. Die hohe Innovationskraft und die enormen Investitionen in moderne Fertigungseinrichtungen seien die entscheidenden Faktoren für den Erfolg auf den internationalen Märkten.

Die Fahrzeughersteller haben in den letzten Jahren in immer stärkerem Umfang Aufgabenstellungen auf die Zulieferunternehmen übertragen. Die Zulieferer werden künftig nicht nur größere Teile der Produktion, sondern auch in steigendem Umfang Forschungs- und Entwicklungsaufgaben, Montagearbeiten, Lagerhaltung sowie Koordinierungs- und Logistikleistungen übernehmen. Die Fertigungstiefe der deutschen Hersteller liegt inzwischen nur noch bei knapp 25 %. Entsprechend steigen die Leistungsumfänge und die Verantwortung der Zulieferer.

Das größte Wachstumspotenzial im Automobilgeschäft liegt im Elektronik-Bereich. Der Wertanteil der Elektronik- und Software-Systeme an den Herstellkosten der Fahrzeuge wird sich von heute 20 % auf 35 % in dem Jahr 2010 erhöhen. Durch die damit verbundenen Innovationen wird nach Einschätzung von Experten der Anteil der Zulieferindustrie am Gesamtentwicklungsaufwand für das Produkt Automobil bis zum Jahr 2010 auf 40 bis 50 % steigen.

Zum Abschluss seiner Rede kritisierte der Wirtschaftsminister die Pläne der rot-grünen Bundesregierung. Die Verteuerung der Mobilität hätte inzwischen ein Niveau erreicht, das den Verbraucher schmerzlich treffe und der Automobilkonjunktur im Inland abträglich sei. Auf die vorgesehene Erhöhungsstufe der Ökosteuer zum 1. Januar 2003 müsse daher verzichtet werden. Döring wendet sich auch ganz entschieden gegen die geplante Erhöhung der Dienstwagensteuer. Diese Zusatzbelastung werde sich auf die baden-württembergischen Fahrzeughersteller besonders auswirken. So sei z. B. derzeit jedes fünfte von DaimlerChrysler verkaufte Auto ein Dienstwagen. Es sei zu befürchten, dass viele Nutzer auf einen Dienstwagen verzichten, auf kleinere Modelle und weniger Ausstattung zurückgreifen würden. Die unvermeidlichen Einschnitte in dem Absatz würden dann auch voll auf die Zulieferer durchschlagen.

Döring: "Die Landesregierung wird ihr Möglichstes tun, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen günstig zu beeinflussen. Wir wollen, dass neben der automobilen Forschung und Entwicklung auch die Produktion in dem Land gehalten und möglichst ausgebaut werden kann."

(von links): Senator e. h. Richard G. Hirschmann, Vorstandsvorsitzender des RKW Baden-Württemberg; Dr. Walter Döring, MdL, Wirtschaftsminister und stv. Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg; Dr. Alfred R. Schefenacker, Vorsitzender des Vorstands der Schefenacker AG; Dr. Albrecht Fridrich, Geschäftsführer des RKW Baden-Württemberg.
(von links): Senator e. h. Richard G. Hirschmann, Vorstandsvorsitzender des RKW Baden-Württemberg; Dr. Walter Döring, MdL, Wirtschaftsminister und stv. Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg; Dr. Alfred R. Schefenacker, Vorsitzender des Vorstands der Schefenacker AG; Dr. Albrecht Fridrich, Geschäftsführer des RKW Baden-Württemberg.