Als Partner der Hersteller positionieren

13.11.2003

5. Zulieferertag Automobil Baden-Württemberg am 13. November 2003

Der Trend ist klar: Mehr noch als in der Vergangenheit werden die Fahrzeughersteller Aufgaben an ihre Lieferanten übertragen - die Fertigungstiefe der Autobauer liegt nur noch bei rund 25 Prozent. Für die Automobil-Zulieferer ist diese Entwicklung eine Chance: Wer sich strategisch positioniert, kann als Partner der Hersteller Boden gut machen. Beim Zulieferertag Automobil trafen sich über 300 Branchen-Vertreter und diskutierten über Trends und Strategien rund ums Thema Automobil.

Optimistisch gab sich Wirtschaftsstaatssekretär Horst Mehrländer in seiner Eröffnungsrede beim Zulieferertag Automobil, der vom RKW Baden-Württemberg im Auftrag des Wirtschaftsministeriums bereits zum fünften Mal organisiert wurde. Mehrländer sieht gute Anzeichen für eine Belebung der Auto-Konjunktur im Land. Der Fahrzeugbau mit drei Autoherstellern und circa 1000 Zulieferfirmen in Baden-Württemberg werde davon profitieren. Im Südwesten sei der Fahrzeugbau mit rund 230.000 Beschäftigten und einem Vorjahresumsatz von 60 Milliarden Euro eine Schlüsselindustrie – in den ersten neun Monaten 2003 lag der Umsatz auf Vorjahreshöhe.

„Die Zulieferer und Autohersteller sitzen in einem Boot", betonte Helmut Petri, bis Juli 2003 Produktionsvorstand der Mercedes Car Group. Mit Blick auf die Globalisierung und die Markenentwicklung mahnte er, nicht zu sehr die Defizite in der Politik zu kritisieren, sondern die Produktionsabläufe zu verbessern. Die Unternehmen sollten gerade in der Fertigung nachhaltige Produktivitätseffekte erzielen. Im direkten Vergleich zu Toyota liege die deutsche Automobil- und Zuliefererindustrie zwischen 20 und 30 Prozentpunkten hinten – eine Herausforderung, der man sich stellen müsse. ,,Wir müssen die wachsende Komplexität besser managen", sagte er, um dem Kosten- und Effizienzdruck begegnen zu können.

Petris Antwort auf diese Herausforderungen ist das einheitliche Mercedes-Produktionssystem (MPS). Dieses standardisiert Planungs- und Produktionsprozesse, Arbeitsstrukturen, Logistik und die Fabriksysteme an den verschiedenen Standorten von Daimler-Chrysler. In den vergangenen zehn Jahren konnte die Mercedes Car Group die Produktion und den Absatz verdoppeln, während die Fertigungstiefe zurückgefahren wurde. MPS biete hier ein erhebliches Optimierungspotenzial. Allerdings betonte Petri: ,,Die beste Produktionstechnologie reicht nicht aus, wenn der Prozess Mensch-Maschine nicht optimal läuft".

Peter Thomsen, der Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), betonte beim Zulieferertag, dass die Verantwortung der Zulieferer für die Entwicklung neuer Produkte, Module und Systeme „überproportional zunehmen“ würde. Er nannte als Beispiel Nischenmodelle wie den Chrysler Crossfire. Der Crossfire werde heute schon zu 100 Prozent extern entwickelt und gebaut – nämlich von Karman. Als Begründung für diesen Trend nannte er die wachsende Bedeutung der Fahrzeug-Elektronik, die von den Zulieferern als Kompetenzträger abgedeckt werden müsse. Er nannte hier vor allem die Schleuder-, Brems- und Spurhaltesysteme. Er wies darauf hin, dass die Zulieferer im Bereich Innovation stärker kooperieren müssten. Denn die ,,Entwicklung verschlingt viel Geld, der Kundennutzen muss deshalb immer wieder berücksichtigt werden", sagte der VDA-Geschäftsführer.

Auch für Heinz Junker, Geschäftsführer der Mahle GmbH, sind die Technologieführerschaft und die Innovationskraft wichtige Erfolgsgaranten, mit denen man den Herausforderungen der Globalisierung begegnen könne. Produktinnovationen zu wettbewerbsfähigen Preisen: Diese Formel mache Automobilzulieferer zu Partnern der Hersteller. Dabei müsse der einzelne Zulieferer sich aber auf seine Kernkompetenz besinnen, die sich bei Mahle auf den Motor beziehe.

Während der Vormittag eher allgemeinen Themen vorbehalten blieb, stellten am Nachmittag Experten aus Wissenschaft und Praxis neue Entwicklungen und Trends der Branche vor. In Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer mit ausgewählten Technologietrends, erfolgreichen Organisationskonzepten und Fragen des gezielten Verbesserungsmanagements.