Herausforderung annehmen

16.10.2008

10. Zulieferertag Automobil am 16. Oktober 2008

Den Zulieferertag 2008 konnte der Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg, Ernst Pfister MdL, wegen der Finanzkrise nicht wie geplant persönlich eröffnen. Er ließ sich durch seinen Ministerialdirektor Dr. Hans Freudenberg vertreten und meldete sich zudem via Pressemitteilung zu Wort.

Ernst Pfister nennt neben der Bekämpfung der Finanzkrise als die vier wichtigsten aktuellen Herausforderungen den globalen Wettbewerb mit zunehmendem Konkurrenzkampf aus Indien, China und Russland, die gesellschaftlichen Herausforderungen Klimaschutz und Rohstoffverknappung, den demografischen Wandel als wesentlichen Grund für den Fachkräftemangel sowie den Strukturwandel in der Automobilindustrie, wonach die Autohersteller immer mehr Wertschöpfung und Entwicklungsarbeit auf die Zulieferer verlagerten.

Pfister: "Die Industrie muss nicht nur das Fahrzeug, sondern sich selbst neu erfinden und neue Wege in der Kommunikation und Zusammenarbeit finden." Der Wirtschaftsminister verweist auf den Internetauftritt autoland-bw.de mit dem neu geschaffenen "Clusterpiloten Automobil Baden-Württemberg" - dieses Werkzeug könne kostenfrei zur Recherche genutzt werden. Zudem ist noch in diesem Jahr die Gründung des Vereins "automotive-bw e.V." geplant, um die Akteure des Automobilclusters Baden-Württemberg an einen Tisch zu bringen.

Das Wirtschaftsministerium veranstaltete den Zulieferertag bereits zum zehnten Mal - und erstmals im Kultur- und Kongresszentrum Liederhalle in Stuttgart. Die Organisation lag wie in den Vorjahren beim RKW Baden-Württemberg. Rund 200 Vertreterinnen und Vertreter der Branche sowie Gäste aus Politik und Verwaltung informierten sich auf dem Kongress in Vorträgen und Workshops über aktuelle Entwicklungen in der Branche - und nutzten überdies die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch.

In einer Begleitausstellung präsentierten sich Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Wirtschaftsförderer mit ihrem Leistungsangebot. Den Automobilzulieferern bot die parallel laufende multinationale Kooperationsbörse Raum für intensive Gespräche.

Dr. Hans FreudenbergMinisterialdirektor Dr. Hans Freudenberg eröffnete als Vertreter des Wirtschaftsministers den zehnten Zulieferertag Automobil. Er betonte, die Automobilindustrie stehe vor großen Herausforderungen. Mit der Gründung des Vereins "automotive-bw e.V." wolle das Wirtschaftsministerium aus neutraler Stellung heraus dazu beitragen, die Knoten im Netzwerk zu knüpfen, die heute noch fehlten.

Volker StauchVolker Stauch, bei der Daimler AG Leiter Produktion Powertrain Mercedes-Benz Cars und Werkleiter Untertürkheim, begreift den Wandel in der Automobilindustrie als Chance. Angesichts der Anforderungen an die Umweltverträglichkeit der Autos, dem Bedürfnis der Käufer nach Mobilität und der Individualisierung des Autos bei zunehmendem Kostendruck müsse sich die Branche an die Spitze der Entwicklung setzen und die Herausforderungen annehmen. Er sprach sich auf dem Zulieferertag für eine qualitativ hochwertige Produktion in Deutschland aus.

VDA-Präsident Matthias WissmannMatthias Wissmann, Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie VDA, ist trotz der konjunkturellen Schwierigkeiten nicht pessimistisch: "Ich bin sicher, dass die deutschen Premiumhersteller mit einem Weltmarktanteil von 80 Prozent weiter eine gewichtige Rolle spielen werden." Die Premiumhersteller seien für technische Innovationen wichtig, da diese in diesem Segment eher bezahlbar seien.

Dr. Gerd Kleinert Zuliefertag 2008 Dr. Gerd Kleinert, Vorstandsvorsitzender der Kolbenschmidt Pierburg AG (Neckarsulm), sprach sich auf dem Zulieferertag für Innovationen im Auto aus, die nicht nur motor- und antriebsbezogen sind - als Beispiele nannte er die Leichtlaufräder, Solardächer, Elektrolenkungen. Hier liege ein großes CO2-relevantes Einsparpotenzial, das bei den gesetzlichen Regelungen berücksichtigt werden müsse. Aus seiner Sicht könnte sehr viel erreicht werden, wenn die Entwickler und Ingenieure gerade für den Antriebsstrang es schaffen, den Motor ständig bei 2.000 bis 2.500 Umdrehungen/Min in allen Lauf- und Beschleunigungsphasen konstant zu halten; das Getriebe würde für den Verbrennungsmotor einspringen - damit wären die größten Verbrauchs- und auch C02-Probleme aus Kfz-Sicht gelöst. Im Übrigen könne der Elektroantrieb in den nächsten zwanzig Jahren nur in Ballungsgebieten den Verbrennungsmotor ersetzen.

Die folgenden Referenten hielten einen Vortrag auf dem 10. Zulieferertag Automobil:

  • Siegfried Baumeister, VOSS Automotive GmbH, Wipperfürth
  • Dr. Stefan Brandner, Supply On AG, Hallbergmoos
  • Dr. Winfried Blümel, Progress-Werk Oberkirch
  • Prof. Dr. Klaus Dietmayer, Institut für Mess-, Regel- und Mikrotechnik Ulm
  • Hans-Peter Gartner, Dräxlmaier Group, Vilsbiburg
  • Dr. Gerd Kleinert, Kolbenschmidt Pierburg AG, Neckarsulm
  • Dr. Christian Reitmeyer-Köhler, Redi-Group GmbH, Langenfeld