Frieder Scheiffele (zweiter von links) mit dem Team des Dokumentarfilms „Schwäbische Restlesküche“, der im April 2019 im SWR gezeigt wird. Foto: Schwabenlandfilm GmbH/Daniel Schneider
Frieder Scheiffele (zweiter von links) mit dem Team des Dokumentarfilms „Schwäbische Restlesküche“, der im April 2019 im SWR gezeigt wird. Foto: Schwabenlandfilm GmbH/Daniel Schneider
rieder Scheiffele - Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Schwabenlandfilm.

Die Schwabenlandfilm GmbH hat das Genre der schwäbischen Mundart-Serie vorangebracht – und sich selbst mehrfach neu erfunden.„Wir haben Fachberater bekommen, die wirklich kompetent sind und sich auskennen, auch in einem so spezialisierten Bereich wie unserem“, sagt Frieder Scheiffele - Gründer, Gesellschafter und Geschäftsführer von Schwabenlandfilm. "Dank RKW BW ist Kontinuität drin."
Foto: Schwabenlandfilm GmbH/Karin Mertens

 

Bewegte Bilder im Heimat-Dialekt

Die Filmproduktionsfirma „Schwabenlandfilm“ aus Dettingen/Erms hat vor zehn Jahren dem heimischen Dialekt eine Hauptrolle in einer Fernsehserie verschafft. Das aus Absolventen der Ludwigsburger Filmakademie bestehende Team macht heute auch Spiel- und Dokumentarfilme.

Wer erinnert sich noch? „Laible und Frisch“ hieß vor etwa zehn Jahren eine Fernsehserie im SWR. Darin trafen eine alteingesessene schwäbische Landbäckerei und eine norddeutsche Großbäckerei aufeinander. In Schafferdingen alias Bad Urach und Umgebung führte das einerseits zum Existenzkampf und andererseits zu amourösen Verflechtungen. Ein deftiger Stoff, der mit vielen schwäbischen Dialektsprechern inszeniert wurde. Was damals alles andere als normal war im TV: Es waren echte Schwaben, Mundart sprechende Hauptpersonen. Nicht etwa angelernte Pseudo-Schwaben, die in folkloristisch-drolligen Nebenrollen auftauchen, wie man es in nationalen Produktionen öfters ertragen muss. Insgesamt zwölf Folgen von „Laible und Frisch“ wurden produziert und ausgestrahlt, jeweils sechs in der Weihnachtszeit 2009 und Weihnachten 2010. Dann war Schluss, der SWR verlängerte trotz der sehr guten Einschaltquoten vorerst nicht. Ein Schock für die Macher der Serie, die Schwabenlandfilm GmbH aus Dettingen im Ermstal.

Wurzeln in der Filmakademie

Heute, etwa zehn Jahre später, sagt Frieder Scheiffele: „Wir sind dort angelangt, wo wir hinkommen wollten.“ Scheiffele, Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg mit Schwerpunkt Produktion und Fachbereich Serienproducing, ist einer der Gründer und Gesellschafter sowie Geschäftsführer des Unternehmens. Der 40-Jährige aus Dettingen/Erms ist derjenige, der die Firma im Alltag am Laufen hält. „Wir sind inzwischen nicht nur im Südwesten ein guter Ansprechpartner, wenn es um Unterhaltung mit regionalen Bezügen geht“, sagt Scheiffele. Sie filmen mit Dialekt und ohne. „Wir können auch Programm herstellen, das national und international funktioniert.“

Ihr Spielfilm „Dolores“ lief 2016 im SWR-Fernsehen in der Reihe „Debüt im Dritten“, 2017 auch im Ersten. Er wurde auf mehreren Festivals gezeigt, im In- und Ausland, war sogar für den Grimme-Preis nominiert. 2019 wird „Eine Hochzeit platzt selten allein“ im Ersten kommen, freitagabends zur Hauptsendezeit, eine Auftragsarbeit.

Um den Stoff von „Laible und Frisch“ weiterzuerzählen, haben die Schwabenlandfilmer zwei Theaterstücke gemacht. Insgesamt über 40.000 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten die „Komödie im Marquardt“ und das Stadttheater in Heilbronn. Das überzeugte auch den SWR. Zusammen wurde anschließend der Kinofilm „Laible und Frisch – Do goht dr Doig“ produziert, rund 200.000 Zuschauer haben ihn gesehen. 2019 gibt es bei den Burgfestspielen in Jagsthausen mit „Laible und Frisch – Urlaubsreif“ eine weitere Uraufführung.

18 Eisen im Feuer

Bis die Firma sich so gut etabliert hat, musste das Team von Schwabenlandfilm viel tun. Nach dem überraschenden Serien-Aus von „Laible und Frisch“ galt es sich breiter aufzustellen. Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg half dabei. „Wir haben parallel 18 Projekte auf einen Schlag entwickelt“, erinnert sich Scheiffele. Besser war das – denn die Branchen-Statistik besagt: Von zehn bis 15 solcher Entwicklungen klappt normal eine.

„Es gibt einfach keine Planungssicherheit. Man entwickelt die Konzepte auf eigenes Risiko. Man weiß nie, kommt der Auftrag oder nicht. Oder kommen fünf gleichzeitig.“ Man müsse vorweg ahnen, was in zwei, drei Jahren gefragt sein wird. Wenn dann ein Auftrag kommt, herrscht größte Eile, weil die Fristen knapp sind. Kriegt man die Schauspieler, die Motive? Und die Finanzierung? „Der Filmmarkt in Baden-Württemberg leidet unter chronischem Geldmangel.“ Ohne Förderungen und einen Fernsehsender wie den SWR ist es eigentlich nicht zu schaffen. Aber auch geförderte Projekte sind nie voll durchfinanziert, die Produktionsfirma braucht immer Eigenanteile. „Das ganze Risiko hängt an uns. Wenn ein Regisseur die Zeiten überzieht oder wenn das Wetter nicht mitmacht, wird es knapp. Erst recht, wenn die Puffer längst weggekürzt wurden.“

Kurz vor dem Dichtmachen

Filme zu machen ist unternehmerisch sehr viel härter als viele andere Branchen. „Es gibt immer so Phasen, in denen man eigentlich dichtmachen müsste“, sagt Scheiffele. Während innerhalb der Drehzeiten dutzende oder hunderte Beteiligte durcheinanderwuseln, muss sich das Unternehmen in den Phasen dazwischen zurückschrumpfen auf ein, zwei Personen. Festangestellte kann man sich eigentlich nicht leisten. Frieder Scheiffele stellt oft selbst sein Gehalt zurück. Aufgeben kommt trotzdem nicht in Frage: „Wer Filme macht, kann Welten schaffen“, schwärmt Scheiffele.

Prägend für die junge Firma und deren Identität war ihr Tiefpunkt, er ist es bis heute, merkt man im Gespräch: jener Moment, als die Serie „Laible und Frisch“ starb. Denn ihre Einschaltquoten waren gut. „Wir hatten Marktanteile, die gut doppelt so hoch waren wie der Durchschnitt beim SWR“, berichtet Scheiffele. „Wir hatten 15 Prozent, der Schnitt liegt bei sechs Prozent. Die Zuschauer-Zahlen sind unterwegs angestiegen, am Ende waren es bis zu 900.000 Zuschauer pro Folge.“ Mit Landesfördermitteln hatten sie vorbildlich Serienstrukturen aufgebaut. Spielte am Ende aber keine Rolle, als das Aus kam. „Für uns bitter. Wir hätten alle weitergemacht.“ Merke: In diesem Business gelten eigene Regeln. Regeln, die auch von denen, die täglich damit klarkommen müssen, nicht unbedingt verstanden werden. Für Laible und Frisch kam ja doch noch ein Happy End. „Totgesagte leben länger: bis heute!“

Politisch stärken

Scheiffele macht sich auch politisch und strukturell für eine Stärkung des Film-Standorts Baden-Württemberg stark. „Wir haben damals Pionierarbeit gemacht, seither gibt es öfters Produktionen mit schwäbischem Dialekt. Aber warum muss man sowas ausgerechnet von Produktionsfirmen aus Hamburg oder Berlin machen lassen? Dadurch fließen Landesgelder in ein anderes Bundesland.“ Das würden andere Bundesländer politisch anders steuern, gezielt die eigenen Leute fördern. „Schlecht für Filmemacher aus Baden-Württemberg: Anderswo kommen sie nicht zum Zug, und daheim kommen andere zum Zug.“ Stolz verweist er darauf, dass sich bei der IHK Reutlingen 2016 der landesweit erste Ausschuss für Medien- und Filmwirtschaft konstituiert hat. Er gehört ihm an, zusammen mit anderen Vertretern der Fernseh- und Filmbranche sowie von Kinobetrieben, auch der SWR ist beteiligt. Sie wollen unter anderem eine engere Kooperation von Ministerien zugunsten der Filmbranche im Land, die Umsetzung der Filmkonzeption des Landes sowie den Ausbau der Filmförderung des Landes. Es geht um ein zielgerichtetes Miteinander für einen erfolgreichen Filmstandort. „Die Voraussetzungen in Baden-Württemberg sind vielversprechend, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen“, sagt Scheiffele.

Individuelle, fachkundige Beratung durch das RKW BW

Dass es Schwabenlandfilm heute noch gibt, dafür hat auch RKW Baden-Württemberg gesorgt. Seit 2011 betreut ein RKW BW-Berater das Unternehmen. „Dank RKW BW ist eine Kontinuität drin“, sagt Scheiffele. „Immer wenn man Hilfe braucht, hat man innerhalb kürzester Zeit ein Ergebnis. Das klappt sehr unbürokratisch und schnell: Man ruft an – und innerhalb von ein, zwei Tagen ist der Berater da und hilft einem, das Ganze aufs Gleis zu bringen.“ Zwei Fachberater hat das RKW BW hinzugezogen. Einer ist Mitinhaber eines Finanzconsulting-Unternehmens. Er half beim Businessplan, einem tragfähigen Finanzierungskonzept und bei Bankgesprächen. Er habe sich sogar persönlich bei der Suche nach einem Investor engagiert, berichtet Scheiffele. Das externe Know-how habe sehr geholfen: „Die Ausbildung in der Filmakademie dürfte unternehmerischer ausgerichtet sein.“

Ähnlich wichtig ist auch der zweite Fachberater: Er ist ebenfalls Absolvent der Filmakademie, hatte eine eigene Filmproduktionsfirma und ist jetzt seit vielen Jahren als Berater und Dienstleister in der Kreativwirtschaft tätig. Ihn konsultierten die Schwaben bei filmspezifischen Fragestellungen. „Er ist vom Fach, er hat das alles selbst schon durchlebt“, erzählt Scheiffele. „Wir sind wirklich froh, dass wir ihn und all seine Expertise über das RKW buchen konnten.“

Das sei ein großer Vorteil des RKW BW: „Dort ist es möglich, Fachberater zu kriegen, die wirklich kompetent sind, die sich auskennen, auch in einem so spezialisierten Bereich wie unserem“, sagt Scheiffele. „Wir bekommen Beratungen, die sind nicht von der Stange, wir kriegen auch keine Schablonen aufgedrückt – sondern das ist alles komplett individuell. Das bringt uns wirklich weiter.“


Weitere Informationen:

Haben Sie Fragen, brauchen Sie Unterstützung? Dann senden Sie eine E-Mail ans RKW BW oder rufen Sie uns an: 0711-22998-0.

Der Spielfilm „Dolores“ mit Udo Schenk als Modellbauer lief 2016 im Dritten, 2017 im Ersten sowie auf Festivals im In- und Ausland. Er war für den Grimme-Preis nominiert.  Foto: SWR / Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg/Milicent von Gork
Der Spielfilm „Dolores“ mit Udo Schenk als Modellbauer lief 2016 im Dritten, 2017 im Ersten sowie auf Festivals im In- und Ausland. Er war für den Grimme-Preis nominiert.

Foto: SWR / Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg/Milicent von Gork
Wer Filme macht, kann Welten schaffen. Hier für „Dolores“: Modellbauer Georg Letterer (Udo Schenk, rechts) braucht Utensilien von Silberschmied Johann Metzger (Carl Heinz Choynski). Foto: SWR/Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg
Wer Filme macht, kann Welten schaffen. Hier für „Dolores“: Modellbauer Georg Letterer (Udo Schenk, rechts) braucht Utensilien von Silberschmied Johann Metzger (Carl Heinz Choynski). Foto: SWR/Schwabenlandfilm/Sabine Hackenberg
Jahre nach der Fernseh-Serie „Laible und Frisch“ knüpfte Schwabenlandfilm daran an mit der Fortsetzung „Do goht dr Doig“. Foto: Schwabenlandfilm GmbH/SWR
Jahre nach der Fernseh-Serie „Laible und Frisch“ knüpfte Schwabenlandfilm daran an mit der Fortsetzung „Do goht dr Doig“.
Foto: Schwabenlandfilm GmbH/SWR
 
 
 
 

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