Wer über Nachhaltigkeit spricht, begibt sich auf sensibles Terrain: Schnell wird aus einer guten Absicht ein kommunikativer Fehltritt – ob unbeabsichtigt übertrieben oder aus Angst gar nicht erst kommuniziert wird.

In diesem Artikel werfen wir einen differenzierten Blick auf die beiden größten Risiken in der Nachhaltigkeitskommunikation: Greenwashing und Greenhushing. Wir zeigen, was dahintersteckt, was Unternehmen vermeiden sollten – und wie sie stattdessen glaubwürdig kommunizieren.

Greenwashing – „Grün gefärbt ist nicht grün gedacht“

Greenwashing bedeutet, Nachhaltigkeitsaktivitäten übertrieben oder irreführend darzustellen, um ein besseres Image zu erzeugen, als tatsächlich gerechtfertigt ist. Dabei geht es oft um:

  • unzutreffende oder unbelegte Aussagen

Beispiel: „CO₂-neutral“ ohne Erläuterung, ob das durch Reduktion oder ausschließlich durch Kompensation erreicht wird

  • Überbetonung von Einzelmaßnahmen

Beispiel: Verpackung zu 5 % aus recyceltem Material – aber prominent als „umweltfreundlich“ deklariert

  • Verschleierung negativer Aspekte

Beispiel: Einzelspendenaktionen, die über schwerwiegende Umweltwirkungen im Kerngeschäft hinwegtäuschen sollen

Folge:

Greenwashing gefährdet Vertrauen, zieht öffentliche Kritik und mögliche rechtliche Konsequenzen nach sich – insbesondere durch neue gesetzliche Regelungen (Stichwort – EmCo-Richtlinie der EU, die voraussichtlich ab März 2026 auch in deutsches, nationales Recht umgewandelt wird)

Greenhushing – Wenn Schweigen zum Risiko wird

Im Gegensatz dazu beschreibt Greenhushing die bewusste Entscheidung, nicht über Nachhaltigkeit zu sprechen – aus Angst, kritisiert oder als „nicht konsequent genug“ entlarvt zu werden.

Folgen:

  • Fehlende Sichtbarkeit gegenüber Kunden, Bewerbern und Partnern
  • Keine Differenzierung im Markt
  • Verpasste Chancen bei Förderungen oder ESG-bezogener Finanzierung

Hier kann auch aus einem eigentlichen Wettbewerbsvorteil – z. B. ein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell/ Produkt – schnell zu einem Wettbewerbsnachteil werden: Wenn z. B. die ökologische Lösung des Produkts (z. B. Materialeinsparung, Rohstoffknappheit verhindern durch Recyclingmaßnahme) als USP-Message nicht nach außen kommuniziert wird. 

Besonders problematisch ist Greenhushing, wenn gesetzlich vorgeschriebene Angaben ausbleiben oder wenn Unternehmen keine Haltung zur Nachhaltigkeit erkennbar machen – gerade in Branchen mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit.

Zwischen den Extremen: Glaubwürdig kommunizieren

Gute Nachhaltigkeitskommunikation liegt zwischen den Extremen – weder überhöht noch verschwiegen, sondern:

Kriterium

Beispielhafte Umsetzung

Ehrlichkeit

Auch offen über Herausforderungen sprechen

Transparenz

Quellen, Zahlen, Berechnungsgrundlagen angeben

Verhältnismäßigkeit

nicht einzelne Maßnahmen „größer machen“, als sie sind

Kontinuität

regelmäßig informieren statt punktuell werben

Checkliste: Wie glaubwürdig ist unsere Nachhaltigkeitskommunikation?

  1. Verwenden wir belegbare Zahlen und nachvollziehbare Aussagen?
  2. Sprechen wir über Fortschritte – und auch über offene Punkte?
  3. Können Dritte unsere Aussagen unabhängig prüfen oder nachverfolgen?
  4. Sind unsere Aussagen konsistent über alle Kommunikationskanäle hinweg?
  5. Kommunizieren wir proaktiv – oder nur, wenn wir müssen?

Fazit: Vertrauen lässt sich nicht behaupten – nur verdienen

Nachhaltigkeitskommunikation darf nicht zum Imagewerkzeug verkommen. Sie ist ein strategisches Instrument für Glaubwürdigkeit, Differenzierung und Dialog. Wer ehrlich und transparent kommuniziert, schafft Vertrauen – und vermeidet nicht nur rechtliche Risiken, sondern gewinnt Unterstützung.

Im nächsten Artikel zeigen wir deshalb:
Wie gelingt glaubwürdige und wirksame Nachhaltigkeitskommunikation konkret – und was können KMU dabei beachten?

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Stellen Sie Ihre Kommunikation auf den Prüfstand!

Das RKW BW unterstützt Sie bei der Entwicklung einer transparenten, überprüfbaren und zielgerichteten Nachhaltigkeitskommunikation – gerne auch im Rahmen einer individuellen Erstberatung.

Katharina Díaz Méndez Beratung, Business Expertin Nachhaltigkeit

0711 22998-28

Christine Palmer Business Expertin Nachhaltigkeit

0151 433382-78