Schwingungsreduzierung, Entkopplung und Geräuschreduzierung: Damit kennt sich die Jörn GmbH in Waiblingen aus. Das traditionsreiche Unternehmen hat im Bereich Fahrzeugbau viele Standards geschaffen. Und lange Zeit erfolgreich dasselbe gemacht – aber das muss sich ändern, war Kai Reinke klar, einem der Geschäftsführer. Die Märkte ändern sich, Jörn braucht neue Kundenkreise und Reichweite. Aber wie geht sowas, mitten in einer Pandemie? Nicht über die klassischen Vertriebskanäle. Online umso besser: Seit November 2020 ist richtig viel passiert, dank strategischer und praxisnaher Hilfen vom RKW Baden-Württemberg. Jörn ist jetzt präsenter denn je auf LinkedIn, Facebook, Instagram und YouTube – und hat so auch schon Konkretes erreicht.

Der beste Moment ereignete sich ausgerechnet in einer Besprechung mit der RKW BW-Fachberaterin Mirjam Grossmann. „Was passiert denn da auf dem Beamer?“ Tatsächlich, da war was los: Die auf Social Media und Online-Marketing spezialisierte Expertin des RKW BW hat dieses Phänomen besonders gern erklärt. Wenn es Herzen hagelt bei Instagram, heißt das: „Ihr Reel geht gerade viral!“

Das war im Dezember. Jörn ist Mitglied beim RKW Baden-Württemberg und informiert sich regelmäßig bei fachspezifischen Vorträgen. Vom RKW BW wurde Kai Reinke zur aktuellen Frage die Fachberaterin Mirjam Grossmann empfohlen. Keine drei Monate später gibt es Ergebnisse, steht ein gutes Dutzend eigener Videos im neuen YouTube-Kanal des Unternehmens, wöchentlich kommen eins auf Deutsch und eins auf Englisch hinzu. Es gibt ein Instagram-Profil mit ausgeklügeltem Mix, jede Woche einen Artikel auf LinkedIn und auch erste so zustande kommende Kundenkontakte. In den nächsten Monaten folgen eine neue Webseite, die für Suchmaschinen optimiert ist (Search Engine Optimization, kurz SEO), und gezieltes E-Mail-Marketing.

Komponenten aus Gummi und Metall

Aber von vorn. Die Jörn GmbH in Waiblingen kennt man seit Jahrzehnten für „Technologie in Gummi Metall“: Das Unternehmen entwickelt, validiert und produziert Komponenten aus Gummi und Metall. „Typischer schwäbischer Mittelstand, Tüftler!“, sagt Kai Reinke. Die meisten Lösungen werden gemeinsam mit Kunden entwickelt und abgestimmt. So erzielen sie optimale Ergebnisse bei Schwingungsreduzierung, Entkopplung und Geräuschreduzierung. 

Bekannt wurde Jörn für die so genannte Schlitzbuchse, die in LKW-Fahrwerken verbaut wird. Viele Branchen nutzen Teile aus Waiblingen: Nutzfahrzeuge, Landmaschinen, Baumaschinen, Agrartechnik und Bodenbearbeitung, Omnibusse, Schienenfahrzeuge, Sonderfahrzeuge, Maschinenbau. Eine weitere Zielgruppe erschließt Jörn gerade: Fahrrad- und Lastenfahrrad-Hersteller.

Zuvor im Netz quasi unsichtbar

Solche neuen Zielgruppen zu erschließen, die Transformation zu schaffen – das ist auch bei Jörn derzeit erklärtes Ziel. Die vertraute LKW-Branche ist globaler geworden. „Wir passen als kleines Unternehmen immer weniger zu den Anforderungen unserer Kunden“, ist Kai Reinke klar. Marketing hat Jörn bislang kaum gemacht, bis auf Messebesuche. Während der Pandemie lagen gewohnte Vertriebswege brach. Auch darum suchte Kai Reinke neue Wege und Lösungen übers Internet. 

Mirjam Grossmann erinnert sich: Sie startete mit einer 360-Grad-Analyse zur Online-Präsenz von Jörn – und die war auffällig ergebnislos. Das Unternehmen war im Internet „nahezu unsichtbar“. Die Homepage zwar vorhanden, aber nicht sichtbar und auslesbar für Suchmaschinen. Profile auf Xing und LinkedIn waren teils zwar angelegt, aber nicht befüllt und nicht genutzt, „wie eine leere Visitenkarte“. Soziale Medien? Strategisches Online-Marketing? Nein. Es gab genug zu tun. Die Fachberaterin und das Jörn-Team entwickelten gemeinsam ein für Produkte und Zielgruppen spezifisches Konzept.

Schritt für Schritt in die Praxis

Der Vertrieb und der Geschäftsführer Kai Reinke bildeten zusammen das neue Team fürs Online-Marketing. Sie wurden von Mirjam Grossmann fit gemacht: Am Freitag, der zum festen Social-Media-Tag wurde, haben sie gemeinsam an Beispielen entschieden, wie die Online-Präsenz aussehen könnte, sie haben einen Redaktionsplan aufgestellt, eine Online-Strategie entwickelt, Aufgaben verteilt. Und nötige Tools kennengelernt: wie man Videos selbst dreht und schneidet, welche Hashtags bei Instagram wie gut funktionieren und warum, welche Mechanismen von Instagram man im Hinterkopf behalten muss – Dinge aus der Praxis für die Praxis. 

Geschäftsführer Reinke sagt, er habe sich „inzwischen dran gewöhnt, sich selbst im Video zu sehen, und die Scheu verloren“. Die Drehbücher schreibt er selbst, notiert Location, Themen und Stichworte für den Inhalt, den er dann frei spricht. Der Vertriebler dreht und schneidet. 

Die Videos werden komplett angeschaut

„Wichtig ist, dass man nicht wartet, sondern startet“, war die Devise von RKW BW-Fachberaterin Mirjam Grossmann. „Es wird nie perfekt sein, und das muss es auch nicht. Die Bildsprache wird sich sicher noch weiter entwickeln, kleine Verbesserungen kommen hinzu. Für mich ist das jetzt schon ein halber Diamant: Für die wenigen Wochen sind die Ergebnisse wirklich beeindruckend!“ Sie begleitet das Unternehmen weiterhin. Ihr Ziel: bis Ende des Jahres tausend Follower auf YouTube, digitale Reputation und Reichweite.

Ich bin optimistisch. Wir sehen, dass die Online-Marketing-Maßnahmen von Woche zu Woche stetig greifen und die Besucherzahl der Webseite zunimmt. Unsere Strategie ist also erfolgreich!“ 

Zumal es spannende Inhalte gibt: Auch wenn Jörn als klassischer Automobilzulieferer in der Fahrrad-Welt kritisch beäugt wird, kommt einiges in Bewegung. Denn Jörn entwickelte eine inzwischen patentierte Fahrradfederung, die beispielsweise bei Lastenfahrrädern des Herstellers Kettler Alu Rad sehr sinnvoll eingesetzt wird. Konkreter Nutzen: Weil sich durch die Federung die anatomischen Belastungen während der Fahrzeit entscheidend verändern, können Lastenfahrräder für volle acht Stunden beruflich genutzt werden – ohne die Federung wären die Vibrationen so stark, dass das aus Sicht des Arbeitsschutzes nicht geht. 

„Der Anfang in einer neuen Branche ist wahnsinnig schwer“, sagt Kai Reinke. „Aber gerade da sind Soziale Medien für uns ein sehr gutes Experimentierfeld. Wir erreichen dort die Zielgruppe und haben schnell Reaktionen, können mit vertretbarem Aufwand die Resonanz testen.“ 

Mit der Unterstützung vom RKW BW ist er mehr als zufrieden:

Das war super unkompliziert. Angefangen damit, wie das RKW BW auf meine Anfrage reagiert hat. Dann die stetige Unterstützung von Mirjam Grossmann: Sie ist sehr engagiert und sehr pragmatisch. Wir müssen nicht erst theoretisch über dieses oder jenes Konzept nachdenken, sondern wir machen einfach. Die Expertise ist dank ihr ja immer dabei. Und nun haben wir frischen Wind in den Laden gebracht!“

 

Weitere Informationen

  • Jörn GmbH 
  • 71336 Waiblingen 
  • www.joern-gmbh.de
  • RKW BW-Berater:  Achim Fuderer
  • RKW BW-Fachberaterin: Mirjam Grossmann
  • Schwerpunkte der Zusammenarbeit: Corona-Krisenberatung, Ausbau der Sichtbarkeit im Internet