Nachhaltigkeit ist für viele Unternehmen ein strategisches Ziel, bei Ritter ist sie gelebter Alltag. Im Rahmen des RKW BW-Arbeitskreises Nachhaltigkeit am Standort Waldenbuch erhielten die Teilnehmenden praxisnahe Einblicke in die Nachhaltigkeitsstrategie des Familienunternehmens. Vom gemeinsamen Mittagessen in der Kantine bis hin zu globalen Lieferketten wurde deutlich: Verantwortung endet hier nicht beim Produkt, sondern beginnt bei Haltung und Umsetzung im gesamten Unternehmen.

Nachhaltigkeit beginnt im Alltag

Der Einstieg in der Betriebskantine „Ritteria“ verdeutlicht den Anspruch des Unternehmens. Die angebotenen Speisen basieren auf fairen, biologischen und regionalen Produkten. Informationen vor Ort machen diese Ausrichtung für alle Mitarbeitenden sichtbar und nachvollziehbar.

Auch im Detail setzt das Unternehmen klare Signale. So wird beispielsweise für die WC-Spülung Regenwasser genutzt, das auf dem Dach gesammelt wird. Dadurch werden bei jedem Spülvorgang rund sechs Liter Trinkwasser eingespart. Diese Maßnahme verdeutlicht, wie konsequent Nachhaltigkeit im Unternehmen auch in alltäglichen Prozessen mitgedacht und umgesetzt wird. Nachhaltigkeitsmanager Georg Hoffmann ordnet dies in ein ganzheitliches Verständnis von Verantwortung ein.

Lieferketten im Fokus: Langfristige Beziehungen und Transparenz statt Abhängigkeit von der Anonymität der Börse

Ein zentrales Thema des Arbeitskreises war die Unabhängigkeit in globalen Lieferketten. Für Ritter ist sie eine strategische Priorität. Das Unternehmen hat den Gedanken eines Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes früh unterstützt, da es mehr Transparenz und verbindliche Standards für alle fördert.

Während Kakao früher anonym über die Börse gehandelt wurde, setzt das Unternehmen heute bewusst auf direkte Partnerschaften mit Kooperativen. Diese Umstellung ermöglicht nicht nur Rückverfolgbarkeit, sondern auch aktiven Einfluss auf Arbeitsbedingungen, Bezahlung und Qualität vor Ort.

Ein zentraler Schritt war der Aufbau der eigenen Kakaoplantage „El Cacao“ in Nicaragua im Jahr 2012. Rund 450 Mitarbeitende sind dort beschäftigt. Besonders hervorzuheben ist der Anbau im Agroforstsystem, einer nachhaltigen Mischkultur, die Biodiversität fördert und die Plantage widerstandsfähiger gegenüber den Folgen der Klimakrise macht.

Wirkung gezielt steuern

Der Einfluss auf den Weltmarkt bleibt begrenzt. Ritter deckt etwa zwei Prozent des globalen Kakaobedarfs ab. Deshalb konzentriert sich das Unternehmen auf direkte Hebel.

Es führt mit zentralen Rohstofflieferanten regelmäßige Gespräche zu Nachhaltigkeitsthemen. Dabei prüft es Strategien und Fortschritte und adressiert konkrete Handlungsfelder. So entstehen Impulse, etwa zur Integration von Biodiversität in landwirtschaftliche Betriebe.

Auch intern steuert das Unternehmen Nachhaltigkeit systematisch. Georg Hoffmann führt bereichsübergreifende Audits durch. Er zeigt Führungskräften auf, wo sie Einfluss nehmen können, und entwickelt gemeinsam mit ihnen konkrete Ziele. Maßnahmen werden überprüft und bei Bedarf angepasst.

Mitarbeitende einbinden und Kompetenz aufbauen

Darüber hinaus stärkt Ritter Nachhaltigkeit auch gezielt über die Unternehmenskultur an seinen deutschen Standorten. Beispielsweise führen Auszubildende am Standort Waldenbuch während ihrer Ausbildungszeit selbstständig Projekte durch, die für ökologische und soziale Themen praktisch sensibilisieren. Dazu zählt das Schaffen von Blühflächen für Insekten auf Gewerbeflächen oder die Entwicklung von Bildungsangeboten mit Partnern wie dem Listhof Reutlingen.

Nach diesen umfassenden Einblicken, die Georg Hoffmann den Teilnehmenden des Arbeitskreises gewährte, sowie spannenden und lebhaften Diskussionen ging es für die Teilnehmenden weiter zum letzten Programmpunkt: In einem gemeinsamen Schokoladen-Workshop gestalteten sie ihre eigene Tafel. Aus drei Schokoladensorten – Zartbitter, Vollmilch und weißer Schokolade – sowie individuellen Zutatenkombinationen entstanden persönliche Kreationen, die anschließend sogar selbst verpackt werden konnten.

Ein Format, das nicht nur Einblicke in die Produktion bot, sondern gleichzeitig Austausch und Zusammenarbeit innerhalb der Arbeitskreis-Gruppe stärkte.

Kleine Anekdoten, große Wirkung

Zum Abschluss blieb auch Raum für leichtere Einblicke: So wurde auch die Frage geklärt, warum die Schokolade von Ritter Sport bis heute quadratisch ist. Der Ursprung liegt in den 1930er-Jahren, mit einer ebenso einfachen wie genialen Idee: Die Tafel sollte in die damals modischen Herren-Sportjackets passen, ohne zu zerbrechen, und gleichzeitig das gleiche Gewicht behalten. Das quadratische Format war die Lösung und wurde über die Jahre zum unverwechselbaren Markenzeichen.

Ebenso beeindruckend ist die Produktionsleistung am Standort Waldenbuch: Täglich verlassen rund drei bis vier Millionen Tafeln Schokolade die Produktion. Ein bemerkenswerter Beleg dafür, wie sich industrielle Effizienz und nachhaltiger Anspruch miteinander verbinden lassen.

Fazit

Der Firmenbesuch des Arbeitskreises Nachhaltigkeit bei der Alfred Ritter GmbH zeigte eindrücklich: Nachhaltigkeit kann Wertschöpfung schaffen, wenn sie nicht als isoliertes Thema gesehen, sondern als integrativer Bestandteil unternehmerischen Handelns verstanden und gelebt wird. Sie erfordert klare Werte, konsequente Umsetzung und die Bereitschaft, auch unbequeme Wege zu gehen.

Bildquellen und Copyright-Hinweise
  • © Altida Maralushaj / RKW Baden-Württemberg – Gruppenbild des Arbeitskreis Nachhaltigkeit (IMG_9073.jpg)
  • © Alfred Ritter GmbH & Co. KG – Logo Ritter Sport (2019_Ritter_Sport_Logo_RGB.jpg)
  • © Altida Maralushaj / RKW Baden-Württemberg – Die Schokowerkstatt (IMG_9085.jpg)
  • © Altida Maralushaj / RKW Baden-Württemberg – Schokolade selbst hergestellt (IMG_9101.jpg)
  • © Altida Maralushaj / RKW Baden-Württemberg – Nachhaltigkeitsziele nach den drei Säulen (IMG_9059.jpg)
  • © Altida Maralushaj / RKW Baden-Württemberg – Arbeitskreis Nachhaltigkeit (IMG_9048.jpg)

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