Denn Trüffel verbindet man eher mit Italien oder Frankreich als mit landwirtschaftlichen Flächen in Baden-Württemberg. Und doch wächst genau hier, im Enzkreis, seit vielen Jahren dieser Edelpilz heran, was Mut und einen langen Atem von den Züchtern erfordert – und zeigt, wie regionale Landwirtschaft neue Wege gehen kann.
Juliette Descharmes hat gemeinsam mit Dr. Dominik Güneri die Pegasus B2B GmbH gegründet, unter deren Marke Cher Pierre sie sich – zusammen mit dem Agrarwirt Thomas Schäfer, alle drei aus Pforzheim – dem regionalen Trüffelanbau sowie der Vermarktung von Trüffeln und Trüffelprodukten widmen. Die Idee der drei Freunde entstand bereits im Jahr 2013; mit dem Kauf der ersten Flächen wurde sie Schritt für Schritt in die Tat umgesetzt. Finanziert wurden der Erwerb der Flächen, die Trüffelpflanzen sowie das erforderliche Equipment vollständig aus Eigenkapital.
Drei Menschen, drei Kompetenzbereiche: Thomas Schäfer ist studierter Agrarwirt mit landwirtschaftlichem Fachwissen, Juliette Descharmes und Dr. Dominik Güneri haben juristisches und wirtschaftliches Know-how. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, Trüffel nachhaltig und regional im Enzkreis anzubauen und Trüffel als feines Lebensmittel den Menschen nahbar zu machen. In ihrem Vorhaben beraten und begleitet wurden sie von RKW BW-Beraterin Sandra Volz.
Juliette Descharmes:
Die Beratung hat uns geholfen, unsere vielen Ideen zu ordnen und den Blick auf das Wesentliche zu lenken.“
Eingespieltes Team auf neuem Terrain
Der Auslöser für die Gründung war der Wunsch, etwas Dauerhaftes zu schaffen. Etwas, das für die Region sichtbar, erlebbar und genießbar ist. Nachhaltigkeit, regionale Wertschöpfung und der Mut, Neuland zu betreten, standen von Beginn an im Mittelpunkt. Aus Sicht von RKW BW-Beraterin Sandra Volz liegt genau darin die Besonderheit des Projekts:
Es ist schön zu sehen, wie ein eingespieltes Team sich auf neues Terrain begibt und mit viel Geduld und einer klaren Vision eine regional nachhaltige Idee umsetzt. Besonders bemerkenswert war, dass mit dem Moment der Realisierung sofort moderne Marketingmaßnahmen ergriffen wurden. Diese Schnelligkeit und Überzeugung haben sich ausgezahlt – ganz im Sinne des Mottos: einfach machen und vor allem daran glauben.“
Die besondere Herausforderung bei dieser Unternehmensgründung: Die Ergebnisse lassen lange auf sich warten. Eine Trüffelplantage ist auf Jahrzehnte ausgelegt – 80 bis 100 Jahre sind keine Seltenheit. Ob sich der Erfolg einstellt, ist lange ungewiss. Als die ersten Flächen erworben wurden, gab es in Deutschland kaum Erfahrungswerte, auf die man sich hätte stützen können.
Pioniergeist, Zweifel – und sehr viel Geduld

Gerade die ersten Jahre waren von Unsicherheit geprägt. Alle drei arbeiteten weiterhin in ihren ursprünglichen Berufen und bauten das Trüffelprojekt parallel dazu auf. Die Flächen waren angelegt, die Trüffelbäume gepflanzt – doch sichtbar geschah zunächst nichts. „Was man nicht sieht, da denkt man erst einmal, es passiert nichts“, beschreibt Geschäftsführerin Descharmes diese Phase. Manche Beobachter reagierten skeptisch oder belächelten das Vorhaben.
Trotzdem blieb das Team seinem Weg treu, auch als vergleichbare Projekte aufgegeben wurden. Besonders stolz sind die drei heute darauf, diese lange Zeit des Wartens gemeinsam durchgestanden zu haben.
Der Wendepunkt kam 2022: die erste eigene Trüffelernte. Ein Moment, der bestätigte, dass sich Geduld und Beharrlichkeit lohnen können.
Neue Perspektiven durch externe Beratung
Ein entscheidender Entwicklungsschritt folgte mit der Entscheidung, externe Beratung in Anspruch zu nehmen. Über ihr Netzwerk kam der Kontakt zu Sandra Volz zustande, einer Fachberaterin beim RKW Baden-Württemberg. Anfang 2025 nutzte das Unternehmen ihre Expertise, um die nächsten Schritte gezielt zu strukturieren – insbesondere im Bereich Marketing, Positionierung und strategische Weiterentwicklung.
„Unsere eigene Sicht war eingeschränkt – das hätten wir vorher nicht geglaubt“, sagt Juliette Descharmes rückblickend. Die Beratung half dabei, Schwerpunkte zu setzen und aus einer Vielzahl von Ansätzen eine klare Linie zu entwickeln. Statt aus dem Bauch heraus zu handeln, entstand ein planvolles Vorgehen, abgestimmt auf Zeit, Ressourcen und wirtschaftliche Möglichkeiten.
Besonders wertvoll war dabei der externe Blick: Ideen spiegeln, Optionen aufzeigen und neue Perspektiven eröffnen – ohne zu bewerten. „Dadurch konnten Entscheidungen bewusster und nachhaltiger getroffen werden“, sagt Juliette Descharmes.


Einen Markt aufbauen, den es noch kaum gibt
Heute steht das Unternehmen vor der der nächsten Aufgabe: dem Aufbau eines deutschen Trüffelmarkts. Neben Anbau und Ernte rücken Vertrieb und Marketing in den Fokus. Zentrale Plattform ist der Cher Pierre Online-Shop (Cher Pierre Shop). Angeboten werden frische schwarze und weiße Trüffel sowie veredelte Trüffelprodukte in Premiumqualität.
Kommunikation spielt eine zentrale Rolle – über Website, Social Media und den direkten Austausch mit Kundinnen und Kunden. Trüffel sind erklärungsbedürftig, exklusiv und kein Alltagsprodukt. „Umso wichtiger ist es, Vertrauen aufzubauen und die Besonderheiten regionaler Qualität sichtbar zu machen“, erklärt Sandra Volz.
Mit Plan und Weitblick in die Zukunft
Auch für 2026 ist die Zusammenarbeit mit dem RKW Baden-Württemberg fest eingeplant. Gerade jetzt, wo sich das Projekt dynamisch entwickelt, ist es dem Gründerteam wichtig, die Richtung nicht aus den Augen zu verlieren.
Aus einer Idee, die lange unsichtbar unter der Erde reifte, ist ein Unternehmen entstanden, das zeigt, wie Mut, Geduld und professionelle Beratung zusammenwirken können.
- © PEGASUS B2B GmbH – Ein kleines Team mit einer großen Idee (DSC05582.jpg)
- © PEGASUS B2B GmbH – Giulli Trüffel (TS_JD_Giuli_Trüffel.jpg)
- © PEGASUS B2B GmbH – Genusskultur (kopfmedia_pegasus-B2B-GmbH_socialmedia_2000px-81.jpg)
- © PEGASUS B2B GmbH – Juliette Descharmes (JD_riZZi.jpg)