Die Unternehmensnachfolge ist selten „nur“ eine juristische oder steuerliche Frage. Für Übergeberinnen und Übergeber geht es gleichzeitig um Zahlen, Prozesse, Menschen, Rollen – und oft auch um die eigene Lebensplanung. Künstliche Intelligenz (KI) kann dabei eine sehr gute Vorbereitung für die Einleitung des Nachfolgeprozesses sein: Sie hilft, Informationen zu strukturieren, Daten auszuwerten und erste Szenarien greifbar zu machen. Gleichzeitig gilt: KI kann die Beratung und Begleitung durch einen erfahrenen Unternehmensberater nicht ersetzen – gerade wenn es um Entscheidungen, Kommunikation und die Moderation sensibler Interessen geht. Die RKW-Nachfolgeexperten stehen Ihnen dabei mit ihrem Know-how und ihrer Erfahrung zur Verfügung.
Im Folgenden zeigen wir fünf typische Leitfragen, die Übergeberinnen und Übergeber in der Nachfolgeplanung beschäftigen – und wie KI ganz praktisch unterstützen kann.
1. Was brauche ich?
Ziel: Bestandsaufnahme und Strukturierung
Zu Beginn steht die Standortbestimmung: Wo steht das Unternehmen wirtschaftlich, organisatorisch und strategisch – und welche Unterlagen sind für die Nachfolge entscheidend?
Wie KI helfen kann:
- Automatisierte Auswertung von Unternehmensdaten: Digitale Analyse-Tools können Geschäftsberichte, Bilanzkennzahlen sowie Kunden- und Personaldaten strukturiert auswerten. Das schafft Transparenz über Stärken, Schwächen und Handlungsfelder.
- KI-basierte Checklisten und Planungsassistenten: Systeme unterstützen dabei, notwendige Dokumente und Verträge systematisch zusammenzustellen – von Gesellschaftsverträgen über Arbeitsverträge bis zu Prozess- und Qualitätsdokumentationen.
- Wissensmanagement für „implizites Know-how“: Gerade bei inhabergeführten Unternehmen steckt viel Wissen in Köpfen. KI kann helfen, dieses Wissen zu sichern – etwa durch Transkription und strukturierte Auswertung von Gesprächen, Prozessbeschreibungen oder Kundendokumentationen.
2. Was ist zu tun?
Ziel: Erstellung eines Übergabe-Fahrplans
Ist die Ausgangslage klar, stellt sich die nächste Frage: Welche Schritte müssen in welcher Reihenfolge erfolgen – und wer muss wann eingebunden werden?
Wie KI helfen kann:
- Roadmap- und Projektplanung: KI-gestützte Tools unterstützen beim Aufbau eines realistischen Fahrplans – inkl. Zeitplan, interner Kommunikation, rechtlicher Vorbereitung und Übergabeprozessen.
- Szenario-Simulation: Unterschiedliche Nachfolgeoptionen (Familie, Mitarbeitende, Management-Buy-out, Verkauf) lassen sich als Szenarien durchspielen – mit Blick auf Chancen, Risiken und Konsequenzen.
- Text- und Vorlagenunterstützung: KI kann Entwürfe für Kommunikationsbausteine erstellen – z. B. für Mitarbeitende, Kunden, Banken oder potenzielle Käufer. Das spart Zeit und reduziert das Risiko, wichtige Botschaften zu übersehen.
3. Worauf muss ich achten?
Ziel: Kritische Punkte frühzeitig erkennen
Viele Nachfolgeprozesse scheitern nicht an fehlendem Willen – sondern an übersehenen Risiken oder unterschätzten Konflikten.
Wie KI helfen kann:
- Risikofrüherkennung: Datenanalysen können Hinweise auf kritische Abhängigkeiten liefern, z. B. hohe Kundenkonzentration, mangelnde Prozessdokumentation oder Schlüsselpersonal, das in absehbarer Zeit ausscheidet.
- Unterstützung in der Nachfolgersuche: KI kann helfen, Auswahlkriterien transparent zu machen und die Bewertung potenzieller Nachfolger stärker an objektiven Faktoren auszurichten – statt an Bauchgefühl oder unbewussten Vorannahmen.
- Kommunikations- und Stimmungsanalyse: Sprach- und Feedbackanalysen können Hinweise auf Missverständnisse, Konfliktlinien oder Veränderungswiderstände geben – etwa über Umfragen, Gesprächsprotokolle oder strukturierte Feedbackformate.
4. Wie hoch ist der indikative Verkaufspreis in meiner Branche?
Ziel: Erste realistische Einschätzung des Unternehmenswertes
Der Unternehmenswert ist ein zentrales Thema. Gerade am Anfang geht es jedoch meist noch nicht um ein Gutachten, sondern um eine belastbare Orientierung.
Wie KI helfen kann:
- Branchenspezifische Bewertungsmodelle: Plattformen nutzen Kennzahlen, Benchmarks und Vergleichswerte, um eine erste, indikative Preisspanne abzuleiten.
- Analyse von Vergleichstransaktionen: KI kann Daten aus vergangenen Unternehmensverkäufen auswerten und passende Vergleichsunternehmen identifizieren.
- Prognosemodelle: Auf Basis der bisherigen Entwicklung lassen sich Szenarien rechnen, wie sich der Wert bei verschiedenen Nachfolgewegen entwickeln könnte (z. B. interne Übergabe vs. externer Verkauf).
Wichtig: Solche Ergebnisse sind eine Orientierung – ersetzen aber keine professionelle Bewertung im konkreten Fall.
5. Wie stehen die Chancen für eine Übergabe?
Ziel: Einschätzung der Marktlage und interner Potenziale
Neben dem „Wollen“ zählt auch das „Können“ – intern wie extern: Gibt es geeignete Nachfolger? Passt das Unternehmen zum Markt? Wie aufnahmefähig ist die Organisation?
Wie KI helfen kann:
- Marktanalyse: Tools können Nachfolgeplattformen, Netzwerke oder Branchendaten auswerten, um Angebot und Nachfrage besser einzuschätzen.
- Profil- und Kompetenzabgleich: Für interne oder externe Kandidaten lassen sich Kompetenzprofile strukturieren und vergleichen – als Ergänzung zur persönlichen Einschätzung.
- Change-Readiness / Stimmungsbild im Unternehmen: KI kann Ergebnisse aus Mitarbeiterbefragungen oder Feedbackrunden auswerten und so sichtbar machen, ob die Organisation bereit für Veränderung ist.
KI ist ein Werkzeug – Nachfolge bleibt ein Führungsprozess
KI kann Übergeberinnen und Übergeber deutlich entlasten: durch Struktur, Analyse, Vorlagen, Risikohinweise und Szenarien. Entscheidend ist jedoch die Einordnung: Nachfolge bleibt ein sensibler Prozess, in dem es um Verantwortung, Vertrauen und Kommunikation geht.
Gerade hier bleibt die begleitende Beratung wichtig – aus fünf Gründen:
- Orientierung und Strukturierung: Prioritäten setzen, Entscheidungen vorbereiten, Komplexität reduzieren.
- Brückenbauer zwischen Erfahrung und Technik: KI-Ergebnisse richtig einordnen, Datenqualität prüfen, sinnvolle Tools auswählen.
- Prozessbegleitung und Moderation: Rollen klären, Erwartungen moderieren, Konflikte bearbeiten, Kommunikation gestalten.
- Absicherung und Qualitätssicherung: Plausibilitätschecks, Schnittstellen zu Recht und Steuern, Dokumentationsqualität.
- Objektivierung durch KI – mit menschlicher Verantwortung: KI kann helfen, Entscheidungen transparenter zu machen. Die Verantwortung bleibt bei Übergeberinnen und Übergebern.
Fazit
KI eröffnet Übergeberinnen und Übergebern neue Möglichkeiten, die Nachfolgeplanung frühzeitig, systematisch und datenbasiert anzugehen. Wer KI klug einsetzt, gewinnt Zeit, Transparenz und bessere Entscheidungsgrundlagen. Gleichzeitig ist KI vor allem eines: ein wirkungsvolles Werkzeug zur Vorbereitung. Für die erfolgreiche Umsetzung des Nachfolgeprozesses sind Erfahrung, Moderation und verlässliche Beratung entscheidend – hier unterstützen die RKW-Nachfolgeexperten mit Praxis-Know-how und einem klaren Blick für das Machbare.
- © RKW Baden-Württemberg / Adobe Stock – KI als Vorbereitung, Beratung als Schlüssel (AdobeStock_358683901.jpeg)