1998 fing die Firma an, Lebensmittel in Bio-Kisten zu den Kunden nach Hause zu liefern – damals als Pioniere. Bis heute sind die Frischekisten ein wichtiges Standbein.  Fotos: B2 Biomarkt/Fischermühle-Handels GmbH
1998 fing die Firma an, Lebensmittel in Bio-Kisten zu den Kunden nach Hause zu liefern – damals als Pioniere. Bis heute sind die Frischekisten ein wichtiges Standbein.
Fotos: B2 Biomarkt/Fischermühle-Handels GmbH
Sabine Franz und Stefan Schopf führen als Ehepaar die Geschäfte.
Sabine Franz und Stefan Schopf führen als Ehepaar die Geschäfte.

"Das RKW BW hat uns zu jedem Zeitpunkt den richtigen Fachberater vermittelt, und so haben wir genau die Fachlichkeit bekommen, die wir gebraucht haben", sagt Stefan Schopf, Geschäftsführer der Fischermühle Handels-GmbH und der b2 Biomarkt GmbH.

 

Der erste Bio-Supermarkt auf weiter Flur

In Balingen konnte man schon 2006 auf 800 Quadratmetern biologische Lebensmittel kaufen.

Wer heute Bioprodukte kaufen will, hat es leicht: Mehrere Bio-Supermarktketten bieten landauf-landab ihr standardisiertes Sortiment an. Auch in den konventionellen Supermärkten und Discountern tragen immer mehr Produkte ein Bio-Siegel. Stefan Schopf sieht diese Entwicklungen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Er war mit seinem ersten Bio-Supermarkt zehn Jahre früher dran.

2006 hat die von ihm geführte b2 Biomarkt GmbH in Balingen ihren ersten Supermarkt auf 800 Quadratmetern eröffnet, auf einer Fläche, die zuvor ein Discounter bespielt hatte. Südlich von Stuttgart waren sie unter den ersten Bio-Supermärkten und zugleich einer der größten. 2010 kam ein zweiter Markt in Rottweil hinzu. 2012 erweiterte man in Balingen auf 1000 Quadratmeter. Vier Dienstleistungs-Sparten hat das Unternehmen inzwischen: Gärtnerei, Biolebensmittel-Einzelhandel, Biolebensmittel-Onlinehandel sowie Gastronomie. Mit 140 Beschäftigten stehen Stefan Schopf, seine Ehefrau und Mit-Geschäftsführerin Sabine Franz und das Unternehmen heute solide da – und denken stetig darüber nach, wie es weitergehen soll.

Ein Hofladen und ein paar Marktstände

Angefangen hat alles mit einem Hofladen, noch im alten Jahrtausend, und mit Ständen auf den Wochenmärkten der Region. Ende der 1990er Jahre suchte das Hofgut Fischermühle jemanden, der sich um den Vertrieb der Produkte aus der hofeigenen Gärtnerei kümmern wollte. Die Fischermühle war eine anthroposophische Arbeits- und Lebensgemeinschaft in Rosenfeld unweit von Balingen. Sabine Franz und Stefan Schopf waren beide in pädagogischen Berufen, Schopf ist außerdem gelernter Landwirt und leitete landwirtschaftliche Projekte mit sozialpädagogischer Klientel. Sie wagten den Sprung, zogen um und stiegen ein, dabei übernahmen sie ein zehnköpfiges Team. Eine ihrer ersten Pioniertaten folgte bald: Mit ihrer neuen Firma starteten sie bereits 1998 einen Lieferservice für Lebensmittel-Kisten, als eine der ersten auf dem Markt.

Pioniere auch beim Lieferservice

Vermarktung von Bio-Produkten war damals noch eine exotische Sache, beschreibt Schopf. „Es gab nur ganz rudimentäre Strukturen, es gab auch kaum Bio-Metzger oder Bio-Bäcker. Das Bio-Thema war noch fest in den Händen der alternativen Szene mit den langen Haaren. Und es gab keine Kunden, die es gewohnt gewesen wären, Bio-Produkte in einem größeren Markt zu finden.“ Damals sei bei Käufern wie auch Verkäufern das Geld nicht das zentrale Thema gewesen, „sondern Werte, Moral, Haltung, wie schon seit den 1960er-Jahren“. Das ist übrigens der Teil des Wandels, der ihm heute am meisten zu schaffen macht: „Jetzt wird die Branche mit rein kommerziellen Maßstäben überrollt, der Profit tritt in den Vordergrund.“

Der Milchpreis und wofür er steht

Es regt ihn auf, dass die Biomilch bei Lidl für 80 Cent zu haben ist. „Wir haben 20 Jahre lang dafür gearbeitet, dass der Landwirt 50, 60 oder sogar 70 Cent für den Liter Milch bekommt. Genug Geld, damit er die Tiere gut halten kann. Wir wollten das Tierwohl verbessern. Wenn jetzt die Preisspirale auch im Biobereich startet, sind diese Werte in Gefahr. Das führt zu Abbau und Raubbau, das ist eine Todesspirale.“ Insofern ist Bio-Milch nicht gleich Bio-Milch, bei vielen anderen Produkten gilt dasselbe, da setzt Schopf an: „Die Menschen sind da nicht völlig aufgeklärt“, hat er beobachtet. In den b2-Biomärkten wird inzwischen an vielen Stellen erklärt, warum die Preise so sind, wie sie sind.

Aber auch Sabine Franz und Stefan Schopf mussten den Betrieb, den sie übernommen hatten, permanent professionalisieren und sich darum kümmern, dass er wirtschaftlich funktioniert. Vor 15 Jahren, wiederum als eine der ersten, führten sie für ihre Bio-Kisten einen Online-Lieferservice ein, „das Bestellformular war damals noch auf DOS programmiert“, schmunzelt er heute. Moderne Kassensysteme waren eine weitere Umstellung. Der erste Supermarkt natürlich. Dann die Idee, noch einen weiteren Schritt der Lebensmittel zu übernehmen: sie selbst zu produzieren, zu verkaufen und zuzubereiten. In beiden Märkten gibt es heute einen Bistro-Bereich, wo vor den Leuten gekocht wird. Sie setzten auf Omni-Channel, ein kanalübergreifendes Geschäftsmodell. Die Kunden können regional und saisonal bummeln, essen, einkaufen, „vom Acker bis zum Teller“ beschreibt Schopf das Konzept, „und das alles mit einer ganz großen Transparenz“.

Stabilität und Fachwissen bekommen

Das b2-Team hat sich bei vielen dieser Schritte begleiten lassen. Das RKW Baden-Württemberg ist schon seit 2002 regelmäßig im Unternehmen und hat viele Entwicklungen unterstützt. „So sind wir sehr effizient zum Ziel gekommen und haben weniger Fehler gemacht, das hat uns stabilisiert“, sagt Schopf. „RKW BW hat uns zu jedem Zeitpunkt den richtigen Fachberater vermittelt, und so haben wir genau die Fachlichkeit bekommen, die wir gebraucht haben. Wir haben RKW BW als sehr treu und sehr kompetent erlebt.“

Mit insgesamt fünf RKW-BW-Fachberatern wurden Abläufe gut aufgestellt und Wege gefunden, die Mitarbeiter einzubinden. Es ging auch ums Betriebswirtschaftliche, um Kostenstellen, Kennzahlen und Kontrolle. Es gab eine sehr strategische Phase, es gab die Zeit der betrieblichen Differenzierung, es gab die großen Schritte der Digitalisierung zu „Bio 4.0“, wie Schopf sagt, sie läuft noch. Schon vor längerer Zeit wurde die Gärtnerei erweitert, unlängst in Geislingen-Binsdorf die neue Zentrale samt Logistikzentrum aufgebaut, dort soll nun auch die Gärtnerei noch einmal wachsen. Dann kam das Thema auf, wie man eine zweite Führungsebene einbaut und die Kommunikation zwischen den Ebenen und Betrieben organisiert. Jetzt geht es allmählich um den Generationenwechsel.

Regional besonders stark

Die Statistiken sind bislang kontinuierlich nach oben gegangen. Gesamtleistung, Verkaufsvolumen, egal ob in den Läden, online oder beim Lieferservice. Im Onlinebereich hat das Unternehmen derzeit etwa 1500 Kunden wöchentlich, in den Läden weitere 3000. Stefan Schopfs Lieblingszahl: 30 Prozent. 30 Prozent des Umsatzvolumens machen sie mit Produkten aus der Region. Vor allem von einer Kooperation von zehn Betrieben, die direkt zuliefern, Bäcker, Metzger, Gärtner, andere landwirtschaftliche Betriebe. Alles bio. Das Land Baden-Württemberg vergab dafür im Jahr 2011 seinen Zukunftspreis Handel. Die L-Bank verlieh 2016 den Landespreis. Jetzt müssen nur noch die Kunden begreifen, dass bio nicht gleich bio ist.

Weitere Informationen:

  • b2 Bio pur GmbH
  • b2 Bio-Gärtnerei GmbH
  • Fischermühle Handels-GmbH
  • 72351 Geislingen-Binsdorf
  • www.b2-biomarkt.de
  • RKW BW-Berater: Ralph Sieger
  • RKW BW-Fachberater: Günter Kugler (u. a. Fachberatung Markt), Tilmann Spieth und Frieder Grimm (Strategische Ausrichtung, Aufbau- und Ablauforganisation, Organisation), Jörn Oehmichen (Digitalisierung, ERP) Beratungszeitraum: 2002 bis heute
  • Beratungsschwerpunkte: Unterstützung bei Betriebswirtschaft; Strategie, Expansion, Führung, Personal; Marktausrichtung, Wettbewerbsfähigkeit

Haben Sie Fragen, brauchen Sie Unterstützung? Dann senden Sie eine E-Mail ans RKW BW oder rufen Sie uns an: 0711-22998-0.

Die Bio-Gärtnerei war der Anfang, nun soll sie noch einmal wachsen. Fotos: b2 Biomarkt/ Fischermühle Handels-GmbH
Die Bio-Gärtnerei war der Anfang, nun soll sie noch einmal wachsen. Fotos: b2 Biomarkt/ Fischermühle Handels-GmbH
Möglichst viele Produkte kommen direkt aus der Region – derzeit sorgen regionale Produkte für etwa 30 Prozent des Umsatzes.
Möglichst viele Produkte kommen direkt aus der Region – derzeit sorgen regionale Produkte für etwa 30 Prozent des Umsatzes.
Dass Bio-Märkte so groß sein können, war noch nicht üblich, als das b2-Team seinen ersten Markt aufbaute.
Dass Bio-Märkte so groß sein können, war noch nicht üblich, als das b2-Team seinen ersten Markt aufbaute.
Vom Acker bis zum Teller: Mit dieser Idee wird in den b2 Biomärkten auch aus den eigenen Zutaten gekocht, direkt vor den Augen der Besucherinnen und Besucher.
Vom Acker bis zum Teller: Mit dieser Idee wird in den b2 Biomärkten auch aus den eigenen Zutaten gekocht, direkt vor den Augen der Besucherinnen und Besucher.
 
 
 
 

Möchten Sie mehr erfahren? Haben Sie Fragen? Ihr Ansprechpartner ist Ralph Sieger, Telefon 0711 22998-33