Am 11. Juni 2026 drehte sich beim Treffen des Arbeitskreises Nachhaltigkeit des RKW Baden-Württemberg alles um das Thema „Verpackungen zukunftssicher und nachhaltig gestalten“. Im Mittelpunkt standen aktuelle regulatorische Entwicklungen, praxisnahe Lösungsansätze und die Frage, wie Unternehmen ihre Verpackungsprodukte und -prozesse nachhaltiger, compliance-gerecht und zugleich wirtschaftlich tragfähig weiterentwickeln können.

Den fachlichen Einstieg gab Frau Claudia Rivinius, von der STI-Group, mit einem Impulsvortrag zur neuen europäischen Verpackungsverordnung PPWR. Sie zeigte auf, dass die Verordnung bereits in Kraft ist und welche Pflichten ab dem 12. August 2026 für alle Unternehmen, die Verpackungen in den Verkehr bringen anwendbar werden. Für Unternehmen im B2B- und insbesondere im B2C-Bereich ergeben sich daraus neue Anforderungen, unter anderem an Materialeinsatz, Recyclingfähigkeit, Dokumentation, Kennzeichnung, Wiederverwendung sowie Melde- und Nachweispflichten.

Im Vortrag wurden zentrale Schlüsselmaßnahmen vorgestellt, die im Rahmen der europäischen Regelung in den kommenden Jahren schrittweise relevant werden. Dabei wurde deutlich: Verpackungen werden künftig noch stärker als reguliertes Produkt betrachtet. Unternehmen sollten deshalb frühzeitig prüfen, welche Anforderungen für ihre bestehenden und geplanten Verpackungslösungen gelten und welche internen Bereiche dafür eingebunden werden müssen.

Besonders anschaulich wurde der Fachinput durch konkrete Beispiele aus der Unternehmenspraxis.

Ein Beispiel zeigte, wie weitreichend Verpackungsoptimierung gedacht werden kann: Ein Düngemittelhersteller wollte auf eine bisher notwendige Kunststoff-Innenverpackung verzichten, in der ein staubiger Trockendünger verpackt war. Mit der bisherigen Produktform war dies jedoch nicht möglich. Der Kunde initiierte deshalb auch eine Weiterentwicklung des eigenen Produkts und stellte dieses auf Granulat um. Dadurch wurde eine reine Papierverpackung mit Schüttsystemlasche möglich. Gleichzeitig wurde die Verpackungsgröße angepasst, um den Transport auf Europaletten effizienter zu gestalten.

Das Beispiel machte deutlich: Wer nachhaltige Verpackungen ganzheitlich denkt, betrachtet nicht nur Materialfragen, sondern auch Produktgestaltung, Logistik, Prozesse und Kundenanwendung. Im Austausch wurde jedoch ebenfalls deutlich, dass solche umfassenden Innovationsansätze in der Praxis bislang eher die Ausnahme sind. Häufig stehen Unternehmen vor Zielkonflikten zwischen Nachhaltigkeitszielen, technischen Anforderungen, bestehenden Maschinen, Kosten und Wirtschaftlichkeit.

Dies zeigte ein weiteres Beispiel aus dem Bereich Spülmaschinentabs: Aus Verpackungssicht wäre eine rechteckigere und platzsparendere Verpackung für Transport und Regalfläche vorteilhaft. Die bisherige bauchige Verpackungsform ist jedoch eng mit bestehenden Befüllprozessen und Maschinen verbunden. Eine Umstellung würde Investitionen in neue Anlagentechnik erforderlich machen – mit entsprechend offener wirtschaftlicher Bewertung. Das Beispiel verdeutlichte, dass nachhaltigere Verpackungslösungen häufig nicht isoliert entschieden werden können, sondern eng mit Produktionsprozessen, Investitionsplanung und Wirtschaftlichkeit verknüpft sind.

Im anschließenden Workshopteil standen die Verpackungslösungen der teilnehmenden Unternehmen im Mittelpunkt. Auf Basis einer vorab versendeten Checkliste hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, eigene Fragen, Herausforderungen und Erfahrungen einzubringen.

Der Austausch zeigte: Zukunftssichere Verpackungsgestaltung ist kein reines Nachhaltigkeitsthema. Sie berührt strategische Fragen der Produktentwicklung, Lieferkette, Kundenanforderungen, Kostenstruktur und Wettbewerbsfähigkeit. Gerade deshalb lohnt es sich für Unternehmen, Verpackungen frühzeitig und abteilungsübergreifend zu betrachten – nicht erst dann, wenn neue regulatorische Pflichten unmittelbar greifen. Der Arbeitskreis machte deutlich, dass nachhaltige Verpackungslösungen vor allem dann erfolgreich sind, wenn sie funktionale Anforderungen, rechtliche Vorgaben und wirtschaftliche Machbarkeit zusammenbringen. Für die Teilnehmenden bot die Sitzung damit wertvolle Impulse, um eigene Verpackungen und Prozesse strukturiert zu prüfen und konkrete nächste Schritte im Unternehmen anzustoßen.

Austausch zum Thema Zukunftsfähigkeit

Erleben Sie im Arbeitskreis Nachhaltigkeit praxisnahe Impulse, konkrete Unternehmenslösungen und den Austausch mit anderen Fach- und Führungskräften aus dem Mittelstand. Der nächste Arbeitskreis Nachhaltigkeit findet am 15. Oktober 2026 statt. Interessierte Unternehmen können sich gerne anmelden.

Nähere Informationen und Anmeldung hier

Katharina Díaz Méndez Beratung, Business Expertin Nachhaltigkeit

0711 22998-28