Die HIMMER GmbH aus Althengstett ist im Messebau tätig und realisiert neben Messeständen auch Festeinbauten, Hausmessen, Roadshows und Events. Geschäftsführer Ralph Himmer ist seit 1985 in der Branche tätig und kennt die Abläufe aus verschiedenen Perspektiven. Die CAIMAZO GmbH mit Sitz in Ravensburg unterstützt Unternehmen dabei, Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI) in konkrete Lösungen für den Arbeitsalltag zu übersetzen. Geschäftsführer Matthias Zobel bringt dabei mehr als 20 Jahre Erfahrung aus Industrie und angewandter KI mit.

Beim RKW BW Forum 2025 kam es zum ersten Austausch, aus dem eine Zusammenarbeit entstand. HIMMER beschäftigte sich zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Frage, wie sich KI nutzen lässt, um das Unternehmen weiterzuentwickeln. Aus dem Gespräch entstand die Idee, sich gemeinsam die Situation bei HIMMER anzuschauen.

Vom Austausch zum konkreten Anwendungsfall

CAIMAZO analysierte gemeinsam mit HIMMER die bestehenden Prozesse. Auch die Mitarbeitenden wurden einbezogen und nach Abläufen gefragt, bei denen sie sich eine Automatisierung vorstellen konnten.

Wir mussten erst die Geschäftsprozesse und Geschäftslogik verstehen. Was ist die Wertschöpfungskette?“, erklärt Zobel. 

Erst auf dieser Grundlage wurde entschieden, wo ein sinnvoller Einstieg möglich ist.

Den Anfang machte die KI-unterstützte automatisierte Verarbeitung von Lieferscheinen. Bei HIMMER gehen täglich viele Lieferscheine von verschiedenen Lieferanten und in unterschiedlichen Formaten ein. Die enthaltenen Informationen mussten bislang manuell erfasst, den passenden Bestellungen zugeordnet und im ERP-System hinterlegt werden.

CAIMAZO entwickelte gemeinsam mit HIMMER eine automatisierte Lösung, die eintreffende Lieferscheine mithilfe von KI strukturiert ausliest und die relevanten Informationen weiterverarbeitet. Dadurch entfallen mehrere manuelle Arbeitsschritte. Gerade in der Hochphase des Messegeschäfts mit mehreren hundert Lieferscheinen macht sich der Effekt bemerkbar: Nach Einschätzung von Himmer lassen sich so bis zu fünf Minuten Arbeitszeit pro Lieferschein vermeiden, was in Summe zu einer beträchtlichen Einsparung führt.

Digitalisierung als Grundlage für KI

Für CAIMAZO beginnt der Einsatz von KI nicht zwangsläufig mit KI. Zunächst müssen Prozesse und Daten digital vorliegen, bevor Automatisierung und KI sinnvoll darauf aufbauen können.

Zobel beschreibt den Ansatz als den „zentralen Dreisprung: Digitalisierung, Automatisierung und dann KI“. Dabei geht es nicht darum, bestehende Systeme komplett zu ersetzen. Vielmehr versucht CAIMAZO, vorhandene Systeme und Abläufe miteinander zu verbinden und integrativ weiterzuentwickeln.

Die Zusammenarbeit zeigt dabei einen weiteren Effekt: Werden Prozesse digitalisiert und automatisiert, macht das häufig Schwachstellen sichtbar, die zuvor im Arbeitsalltag nicht wahrgenommen wurden. So entsteht neben der konkreten Zeitersparnis auch die Möglichkeit, Abläufe grundsätzlich zu hinterfragen und zu optimieren.

Wir machen am Anfang lieber ein kleineres Projekt, bei dem wir auch tatsächlich zeigen können, dass es etwas hilft“, sagt Zobel.

Aus einem Projekt wird eine langfristige Zusammenarbeit

Die Zusammenarbeit zwischen HIMMER und CAIMAZO ist inzwischen über das erste Projekt hinausgewachsen. CAIMAZO begleitet HIMMER bei weiteren KI-Themen und hat unter anderem Grundlagen- und weiterführende Schulungen für die Mitarbeitenden durchgeführt.

Für Zobel ist eine solche Begleitung Teil des eigenen Ansatzes:

Unser Ziel ist es, als KI-Partner tätig zu sein.“

Auch für HIMMER ist eine solche Zusammenarbeit von großer Bedeutung. So entsteht ein gegenseitiges Verständnis und Vertrauen, bei dem das Branchen- und Prozesswissen von HIMMER auf das technische Know-how von CAIMAZO trifft. Daraus sind weitere Projekte entstanden und in Planung, an die man anfangs überhaupt nicht gedacht hatte.

Das RKW BW-Netzwerk verbindet

Dass aus dem früheren Kontakt eine partnerschaftliche Zusammenarbeit wurde, zeigt den praktischen Wert des RKW BW-Netzwerks. Beide Unternehmen sind Mitglied im RKW Baden-Württemberg e.V. und das RKW BW Forum bot den Rahmen, in dem aus einem losen Gespräch eine Zusammenarbeit entstehen konnte.

Für mittelständische Unternehmen kann gerade dieser Austausch ein wichtiger Ausgangspunkt sein: Nicht jedes Unternehmen muss eigene Lösungen von Grund auf entwickeln. Im Netzwerk treffen unterschiedliche Erfahrungen, Branchenkenntnisse und Kompetenzen aufeinander.

Fazit

Die Zusammenarbeit von HIMMER und CAIMAZO zeigt, wie aus einem Kontakt im RKW BW-Netzwerk ein konkretes Praxisprojekt entstehen kann. Der Einstieg erfolgte nicht über ein großes KI-Vorhaben, sondern über einen klar abgegrenzten Prozess mit erkennbarem Nutzen. Mit der automatisierten Lieferscheinverarbeitung wurde ein erster praktischer Schritt umgesetzt, aus dem weitere gemeinsame Themen entstanden sind.

Das Beispiel macht deutlich: Der Weg zu KI beginnt für viele Unternehmen mit der Frage, welche Prozesse sich konkret verbessern lassen. Das RKW BW-Netzwerk schafft dafür den Raum, Unternehmen miteinander ins Gespräch zu bringen und passende Kompetenzen zusammenzuführen.

Man muss nicht morgen KI-Experte sein. Aber es macht Sinn, jetzt anzufangen, Erfahrungen zu sammeln und dabei professionell und partnerschaftlich begleitet zu werden“, sagt Zobel.

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